Food-Swap: Der neue Food-Tausch-Trend

Tausche Pesto gegen Marmelade
Food-Swap: Der neue Food-Tausch-Trend

Tausche Pesto gegen Marmelade

„Hier, probier mal, das ist Olive.“ Krachend beißt Lilly in eine Scheibe Knäckebrot und verzieht den Mund. „Ein bisschen sauer.“ Ihre Mutter reicht ihr ein Stück Kuchen: „Mit Kokos.“ Das Mädchen im rosafarbenen Anorak nickt. „Mag ich.“ Nicole Klauß und ihre fünfjährige Tochter stehen vor einer Reihe von Biertischen, auf denen unterschiedliche Köstlichkeiten aufgebaut sind: Weihnachtskuchen nach indischem Rezept, Marmeladen und Brotaufstriche, eingelegte Zucchini, scharfe Gurken, Thymianlikör. Alles hausgemacht und für kein Geld der Welt zu haben. Denn hier wird ausschließlich getauscht.

Food Swap nennt sich der Trend, der aus den USA nach Deutschland geschwappt ist – Tauschbörsen für selbst gemachte und selbst geerntete Lebensmittel. Cathrin Brandes hat das Konzept nach Berlin gebracht. Die Gastronomieberaterin ist bei Slow Food aktiv und hat bereits mehrere Bücher rund ums Thema Essen veröffentlicht. „Ich fand die Idee einfach spannend, dass Lebensmittel einen anderen Wert bekommen als das, was Geld bedeutet“, so die Berlinerin. „Durch den Tausch lädt man sie sozusagen mit einem emotionalen Wert auf.“

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An diesem Abend dominiert Eingemachtes das Angebot. Vor einem jungen Paar, beide Anfang 20, steht eine Reihe Weckgläser mit Bohnensalat auf dem Tisch. „Wir kommen beide vom Land und haben immer schon vom eigenen Garten gegessen“, erzählt Julia Linzmaier. Ihren Überschuss haben die beiden in die Kreuzberger Markthalle gebracht. Die junge Frau im Wollpullover ist auch deshalb hier, weil sie ihrer Mutter die Idee des Tauschhandels schmackhaft machen will: „Man hat ja schon eine große Auswahl zu Hause, aber das Tauschen bereichert einen noch zusätzlich. Gerade für Menschen auf dem Land ist das ne tolle Sache.“

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Nicole Klauß und Tochter Lilly schlecken Lemon Curd von einem Teelöffel. Die Fünfjährige leckt sich die Lippen: „Lecker!“ Auch ihre Mutter ist begeistert. „Da sind auch noch Äpfel mit drin, das ist mal was ganz Besonderes.“ Auf der bereitgelegten Tauschkarte trägt sie ein, was sie für ein Glas Lemon Curd anbieten würde. Ihr Vorschlag: Möhrenpesto oder Mangomarmelade. Nicole Klauß ist optimistisch: „Wir kommen auf jeden Fall ins Geschäft, da bin ich mir sicher.“
Die 46-Jährige gehört zum festen Kern des Berliner Tauschklubs. Als kulinarische Beraterin arbeitet die zweifache Mutter mit Café- und Restaurantbetreibern zusammen, nebenbei macht sie eine Ausbildung zur Sommelière. In ihrer Freizeit steht sie selbst gern in der Küche und probiert viel aus. Seit sie von einer Freundin deren ausrangierten Dörrautomaten übernommen hat, experimentiert sie mit getrocknetem Obst und Gemüse. Apfelchips gehören zu den Klassikern, die Nicole Klauß immer wieder zum Tauschen mitbringt, aber auch getrocknete Zwiebeln und die gekörnte Gemüsebrühe kommen gut an. Mehrere Tage lang hat die Hobbyköchin dafür Gemüse geschnippelt, getrocknet und gemörsert. „So ein Glas voll würde ich jetzt ungern gegen drei Scones oder einen Sack Walnüsse tauschen.“

Eine Portion Bohnensalat im Einmachglas wäre da schon eher ein würdiges Angebot. Julia Linzmaier und ihr Ehemann schlendern am Stand von Nicole Klauß vorbei. Die 46-Jährige gießt heiße Brühe aus einem Thermobecher in kleine Tässchen. Die beiden schlürfen und nicken beifällig. „Das ist das, was man auch so als Gemüsebrühe kriegt, nur ohne sämtliche Zusatzstoffe.“ Am Tisch nebenan erklärt ein Mann mit Wollmütze auf dem Kopf, wie er Bitterorangen einlegt, damit sie ihr unvergleichliches Aroma entfalten können. Eine dunkelhaarige Frau mit spanischem Akzent verteilt Stücke von ihrem frisch gebackenen Knäckebrot mit französischen Algen, Estragon und Kürbiskernmus zum Probieren. In die Spalte „Ich biete“ hat ihr jemand „Whatever you like :-)“ auf den Tauschzettel geschrieben.

Die Lust am Tauschen hat jedoch nicht nur die Hauptstädter gepackt. Deutschlandweit etablieren sich Veranstaltungen, die nach dem Prinzip der Berliner foodXchange funktionieren. In Köln treffen sich Hobbyköche und Feinschmecker alle paar Monate auf dem „Schwarzmarkt“ zum Tauschen, auch in München, Kiel und Darmstadt finden regelmäßig Tauschabende statt.

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Yelda Yilmaz ist überzeugt: „Gutes Essen ist die einfachste und beste Möglichkeit, Leute zusammenzubringen, gesellig zu sein, auch mal abzuschalten.“ In ihrer Familie spielen gemeinsame Mahlzeiten eine wichtige Rolle, „meine Mama und meine Großeltern kochen extrem gut.“ Seit die 29-Jährige von zu Hause weg und in eine Hamburger WG gezogen ist, spürt sie, dass ihr etwas fehlt, wenn sie beim Essen nicht mit anderen zusammensitzen kann.
 Strawberry buttermilk cake with pistachios
Happy young female cook holding a freshly baked apple cake or tart which she has just removed from the oven in a baking tin as she prepares dessert for dinner
cooking class, culinary, bakery, food and people concept - happy group of friends and male chef cook baking in kitchen
Autumn background with jam in jar and red juicy apples on yellow leaves outdoors
Delicious guacamole dip on the table
Easter babka
Detail of child hands making plum tart
Chef  holding cookie tray with fresh baked homemade shortbread cookies
fresh pasta and pasta machine on kitchen table
Frau lässt ihren Ehemann von einem Apfel abbeißen
Der große Andrang auf ihre Food Swaps bestärkt sie in ihrer Idee: „Den meisten ist es wichtig, dass Essen nicht nur satt macht, sondern dass es gut ist und dass man es auch teilen kann.“

Tatsächlich scheinen sich immer mehr Menschen damit zu beschäftigen, was und wie sie essen. Einer vom Bundesministerium für Ernährung veröffentlichten Studie zufolge finden es neun von zehn Deutschen wichtig, sich gut und ausgewogen zu ernähren. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung kauft vorwiegend Lebensmittel, die aus der Region stammen, gut 40 Prozent achten beim Einkauf ihrer Nahrung häufig auf Tierschutz und biologischen Anbau. Jeder Dritte gab an, täglich frisches Obst und Gemüse zu sich zu nehmen und bei zwei Dritteln der Bevölkerung kommt mehrmals in der Woche Selbstgekochtes auf den Tisch.

„Eine bestimmte Gruppe in der Bevölkerung schätzt Essen mehr Wert und entdeckt den handwerklichen Spaß an der Verarbeitung von Lebensmitteln“, beobachtet der Ernährungssoziologe Daniel Kofahl. Wer selbst Essen zubereite, könne dabei auch sein eigenes Ich entwickeln: Bin ich eher der Typ, der stundenlang Marmeladen einkocht? Lese ich mich in die Kunst des Filetierens ein? Oder spezialisiere ich mich auf die richtige Zusammensetzung von Likören und Selbstgebranntem? „Niemand stellt etwas her und serviert es kommentarlos“, so Kofahl. „Es geht um den kommunikativen Austausch über die Kochkunst und darum, eine Geschichte erzählen zu können.“

Der Ernährungssoziologe erkennt in der neuen Lust am Selbermachen auch eine Sehnsucht nach einer anderen Form des Lebens, das nicht so hektisch, konfliktbeladen und gefährlich sei: „Es gibt den Trend hin zur Verhäuslichung, sozusagen als Hommage an die alten Zeiten“, erklärt Kofahl. Als Beispiel nennt er die ehemalige Viva-Moderatorin Enie van de Meiklokjes, die sich im Spartensender sixx bereits in der vierten Staffel als Küchenfee der 50er Jahre präsentiert. „Für Frauen aus der Generation unserer Mütter und Großmütter hat das Kochen und Backen noch zum Alltagsgeschäft gehört. Diese Fähigkeiten werden jetzt von der nachfolgenden Generation neu wertgeschätzt, entdeckt und inszeniert.“
In der Berliner Markthalle Neun geht es darum ans Eingemachte: Der Tauschhandel ist eröffnet. Nicole Klauß inspiziert ihren vollgeschriebenen Tauschzettel. „Ich gehe jetzt rum und sacke meine Beute ein.“ Mit einem Glas gekörnter Brühe in der Hand stellt sie sich am Stand von Julia Linzmaier und deren Ehemann an, doch die lächelt entschuldigend: „So toll ich auch die Gemüsebrühe finde, ich hätte lieber ein Glas Mangomarmelade, wenn’s geht.“ Klar geht das. Die beiden kommen ins Geschäft, Mangomarmelade und Bohnensalat wechseln ihre Besitzer.

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Mit der Zeit hat die Hobbyköchin ein Gespür dafür entwickelt, was beim Tausch in der Markthalle gut geht und was nicht: „Zu Beginn habe ich mal ein paar Gläser Karamellaufstrich mitgebracht, aber dann gibt es Leute, die mögen kein Karamell, mit denen konnte ich dann auch nicht tauschen.“ Im Gegenzug will Nicole Klauß keinen Alkohol, auch mit allzu scharfen Sachen kann sie nichts anfangen. „Manchmal kommt eine Frau, die indisch kocht und immer gern mit mir tauschen möchte. Aber deren Sachen sind so unfassbar scharf, dass ich sie kaum angucken kann.“
Immer wieder nutzen junge Produzenten die Tauschbörse auch als Bewährungsprobe für ihre Kreationen. Dem Grafiker John Eberstein, der sich nebenbei an einer scharfen Marmelade mit Zitrone versuchte, rissen die Teilnehmer beim Tausch in der Markthalle die Gläser nur so aus den Händen, beim darauffolgenden Food Swapping Day während der Berlin Food Week 2014 belegte er den ersten Platz. Mittlerweile wird die feurige Paste namens Belzebú al Limone einmal jährlich nach der Zitronenernte in größeren Mengen produziert. Solange der Vorrat reicht gibt es sie dann online und vereinzelt im Berliner Handel zu kaufen.

Weniger gut läuft es an diesem Abend für die Veranstalterin Cathrin Brandes. „Hier, nimm zwei davon, ich hab zu viele davon“, sagt sie, als ein Interessent ihr einen Handel für ihren Früchtekuchen vorschlägt. Etwas betrübt schaut sie auf ein großes Einmachglas, in dem noch mehrere eingelegte Gurken schwimmen: „Die hat heute keine Freunde gemacht, die scharfe Gurke.“ Aber auch das gehört zum Geschäft: Getauscht wird eben nur, was schmeckt.
Vor Nicole Klauß stapeln sich derweil Weckgläser mit Eingemachtem. Ein paar Gläser Brühe und Pesto sind noch übrig, „aber die verbrauche ich selbst.“ Zufrieden begutachtet sie ihre Ausbeute. „Das hat sich gelohnt, denn das alles mache ich auch nicht selber. Einkochen ist irgendwie nicht meins und dann bin ich immer froh, wenn ich das tauschen kann.“ Ein Abend also ganz nach ihrem Geschmack. Mutter und Tochter gehen voll bepackt nach Hause. Bei Familie Klauß kommt bald Getauschtes auf den Tisch.

Text: Alena Hecker
Fotos: Bildagentur Zoonar

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