Ungarisch-Lektion für Haflinger

Ernö Szakalý kommt aus Ungarn und ist der gute Geist auf der Reitanlage des Eifelstädtchens Adenau, der im Hintergrund stets für blitzsaubere Boxen und  gefegte Stallgassen sorgt. Als echter Csikós ist ihm Stallarbeit allein allerdings nicht Herausforderung genug.  Kurzum lernte also Haflinger Max - ehe er wusste, wie ihm geschah -  das gesamte Programm, das normalerweise nur Ungarntouristen bei einer Pusztatour geboten wird. Womit bewiesen wäre: Auch Haflinger verstehen Ungarisch!


Maxens biedere deutsche Trense ist seit kurzem mit selbst geschnittenen ungarischen Lederschalanken verziert und über die Stallgasse klingen gelegentlich seltsam klangvolle fremdländische Laute, wenn ein Pferd nicht schnell genug zur Seite tritt: Der Reiterhof "Am Hirzenstein" hat einen Hauch ungarisches Flair bekommen, seit Ernö da ist. Der Zweiundzwanzigjährige arbeitet seit drei Monaten hier als Mann für alles, mistet die Boxen, fährt Traktor, schleppt Heu, bringt die Pferde auf die Koppeln und begrüßt uns charmant mit strahlendem Lächeln: "Schönes gutes Tag!" 

Schulhaflinger Max steht auf dem Paddock um die Ecke und spitzt die Ohren, als er Ernös Stimme hört. Die beiden verbindet eine ganz besondere Männerfreundschaft! Bereitwillig sperrt Max sein Maul für die Trense auf und folgt seinem Meister auf den nicht umzäunten Reitplatz. Bewegungslos hält er still, als Ernö mit einem Schwung auf seinem ungesattelten Rücken landet, allerdings nicht wie gewöhnlich von der Seite, sondern von hinten mit einem gekonnten Bocksprung über die Kruppe. Einfach wäre ja langweilig.

Was dann folgt, ist schlichtweg verblüffend: Die beiden zeigen das komplette Programm an Csikós-Kunststücken inklusive Peitscheknallen, Hinsetzen, Hinlegen und Stehen auf dem liegenden Pferd. Max verdreht im Liegen die Augen nach hinten, aber nicht etwa, weil er Angst vor der dicht an seinen Ohren vorbeiknallenden Peitsche hätte, sondern weil er auf sein wohlverdientes Leckerchen wartet, das  prompt aus der Tasche des jungen Ungarn in den immer hungrigen Haflingerschlund wandert. "Mit Max war das Training einfach," lacht Ernö, "für Leckerchen tut er alles!" Wer den beiden zuschaut, hat allerdings nicht den Eindruck, dass es Max nur ums Fressen geht. Er wirkt rundum so, als hätte er einen Riesenspaß an der ganzen Sache. Mal was anderes als der übliche Reitunterricht eben und offenbar eine willkommene Abwechslung für ein so intelligentes Kerlchen wie diesen Haflinger. 
"Das Hinknien und später Hinlegen übt man zuerst vom Boden aus," erklärt Ernö, "mit Antippen am Vorderbein. Später kann ich dann das Vorderbein an der gleichen Stelle vom Pferderücken aus mit dem Fuß antippen, damit das Pferd sich hinlegt." Letzteres passierte kürzlich ungewollt einer Reitschülerin im Unterricht: Sie muss versehentlich mit ihrer Stiefelspitze die entscheidende Stelle berührt haben, denn Max ließ sich in aller Bierruhe in den Hallensand nieder und wartete auf sein Leckerchen, während seine Reiterin panisch "Was ist daaas denn .....  Maaaax!!" rief - sehr zur Belustigung aller Zuschauer. 


Dass Ernö ein Händchen für Pferde hat, sieht man sofort. Zuhause in Ungarn ist er viele Jahre lang in Siofok am Plattensee bei professionellen Reitvorführungen für die Touristen mitgeritten und lernte dort von den älteren Kollegen die verschiedensten Tricks und Kniffe, mit deren Hilfe man Pferde ablegt oder hinsetzt oder wie man bei der ungarischen Post eine gute Figur macht. "Aber am meisten habe ich von meinem Großvater gelernt," erzählt er, "der wusste alles über Pferde." Davon, dass die Alten noch echte Pferdemenschen waren, berichtet er weiter, dass deren Wissen immer mehr verlorenginge und dass die Jungen leider nur zu oft den schnellen Erfolg auf Kosten der Pferde und auch der eigenen Sicherheit anstrebten. Die typischen Csardás-Reitvorführungen für die Touristenbusse sind oft nur noch bloße Routine für die Beteiligten, die fast das ganze Jahr lang zweimal täglich das immer gleiche Programm abspulen. "Dann es macht kein Spaß mehr," meint Ernö, "und wenn es macht kein Spaß, soll man nicht machen." Unfälle, auch solche mit tödlichem Ausgang, passieren dort leider öfter.
ungar Ernö Szakalý mit haflinger
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der ungar Ernö Szakalý mit haflinger, lukasmarkt mayen
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ungar Ernö Szakalý
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ungar Ernö Szakalý
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ungar Ernö Szakalý
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Manchmal aus Leichtsinn, aber oftmals auch dann, wenn das Verhältnis zwischen Pferd und Mensch nicht stimmt. "Respekt und Vertrauen sind wichtig," sagt Ernö, " - beide!"  Das Pferd muss dem Menschen vertrauen können und umgekehrt, sonst sind siebzig Kilo Mensch schnell unter sechshundert Kilo Pferd zerquetscht. Wer sein Pferd verständnislos und nur mit Zwangsmaßnahmen auf die Schnelle "abrichten" möchte , der verspielt sich sein Vertrauen und bekommt die Quittung dafür bei Gelegenheit mit Sicherheit zurück. In Deutschland hingegen, so hat Ernö beobachtet, begegnet man oft dem anderen Extrem: "Manche Pferde 

haben gar keinen Respekt vor dem Menschen. Sie werden behandelt wie Menschen. Und nicht wie Pferde. Das kann auch gefährlich sein. Sowas gibt es in Ungarn nicht. Ne, Max?" Max schlägt mit dem Kopf, als wolle er zustimmend nicken. Er jedenfalls fühlt sich als Pferd von den ungarischen Händen offensichtlich gut behandelt. 

Um uns zu demonstrieren, dass Vertrauen und Respekt Hand in Hand gehen und dass Respekt nichts mit Angst zu tun hat, zeigen uns Ernö und Max Teil eins ihrer Paradenummer: Das Pferd steht auf den Hinterbeinen und legt seinem vor ihm stehenden Menschen die Vorderbeine über die Schultern.  Sehr beeindruckend, aber ähnliches hat man spätestens seit Frédéric Pignon ja zumindest schon einmal gesehen. Für seine erste Csikósvorführung in Deutschland, die er kürzlich auf einem Pferdemarkt gegeben hat, hatte Ernö noch ein Zusatzdetail in diese Nummer eingebaut - Max nimmt ihm mit den Zähnen seinen Hut vom Kopf. Seine original ungarische Csikóstracht, den weiten blauen Kittel, Weste und breitem Gürtel hatte er selbstverständlich im Gepäck, als er nach Deutschland reiste: Man weiß ja nie. 

Als Maxens eisenbeschlagene Hufe etwas unvorsichtig wieder von Ernös Schultern gleiten, entfährt dessen Lippen ein ziemlich deftiger deutscher Fluch, woraufhin Monika Frechen - Betreiberin der Reitanlage und Ernös Arbeitgeberin - lachend meint: "Ernö, fluch lieber auf Ungarisch!"
Ernö reibt sich die schmerzende Schulter und grinst. "Aber jetzt zeig ich Euch was!" Und schwupps, steht er mit dem Rücken an den breiten Haflingerpopo gelehnt, greift sich erst ein, dann zwei Hinterbeine - und hebt das Pferd an, als wolle er Schubkarre fahren.  Max hält still und schielt nach hinten. "Max, Mensch, mach mit", keucht Ernö, "lass dich nicht so hängen!" Max macht. "Als er das letztens auf der Wiese geübt hat, hat Max sich hinten hochheben lassen und vorne Klee gefressen," lacht Monika, "das war ein Bild für die Götter!"

Dass diese Übung nicht unbedingt zum Nachmachen empfohlen ist, versteht sich wohl von selbst, aber wie man es anstellt, wollen wir natürlich trotzdem wissen. Vereinfacht gesagt übt man mit zwei Personen das Aufheben der Hinterbeine, erst kurz nacheinander, dann irgendwann für einen ganz kleinen Moment gleichzeitig. "Das braucht viel Geduld, " sagt Ernö," und viel Vertrauen zwischen Pferd und Mensch. Der könnte mich ja umbringen, wenn er wollte."  Will Max aber nicht. Er mag seinen neuen Freund offensichtlich und schielt schon wieder wie ein Hund mit schief gelegtem Kopf nach Leckerchen. 

Selbst im Pferdeland Ungarn wird man sehr, sehr lange suchen müssen, um dieses Husarenstückchen sehen zu können. "Genau genommen weiß ich nur einen in Ungarn, der das auch mit seinem Pferd macht," sagt Ernö.

 "Aber jetzt genug gespielt, ich muss wieder arbeiten!" sprach´s, schickt seinen Max mit einem Klaps auf die Koppel und schwingt sich auf den Traktor, um frisches Wasser auf die Pferdekoppeln zu fahren. Na denn viszlát - tschüß!


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