Rätselhafte Hütchen im Wald

Die Geheimnisse der Pilze
Pilze
Rätselhafte Hütchen im Wald

Bei einem Spaziergang im Wald begegnen wir ihnen jetzt fast unweigerlich. Besonders an feuchten Stellen mit Altholz schießen die Pilze jetzt im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden. Champignons, Pfifferlinge, Austernpilze und Steinpilze sind in dieser Zeit gesuchte Speisepilze, während uns die Fliegenpilze mit ihren rot-weißen Signalfarben bereits von weitem warnen: "Vorsicht, ich bin giftig!". Doch obwohl wir den Pilzen oft begegnen, wissen die wenigsten von uns, was Pilze eigentlich sind und wie sie leben.

Pilze gibt es in allen möglichen Farben und Formen. Die meisten Pilze ähneln von der Form her einem Regenschirm. Sie haben einen Stiel, auf dem oben ein mehr oder weniger großer Hut sitzt. Es gibt aber auch Pilze, die kugelrund sind oder solche, die aussehen wie Korallen, Schwämme oder sogar wie ein Tintenfisch, der mit dem Kopf im Erdboden steckt.

Sind Pilze Pflanzen oder Tiere?

Auf den zweiten Blick ist diese Frage nicht so einfach zu beantworten, wie es scheint. Pilze besitzen kein Blattgrün (Chlorophyll), mit dem sie wie anderen Pflanzen Energie gewinnen. Für Pflanzen untypisch ist auch die Tatsache, daß Pilze organische Totstoffe verarbeiten können. Ihre Nahrungsgrundlage sind tote Tiere und Pflanzen. Ein weiterer Aspekt ist der Aufbau der Pilze. Pflanzen sind aus Zellulose aufgebaut, Pilze dagegen aus Chitin - ein Stoff, aus dem auch der Körper von Insekten besteht. Einige BotanikerInnen stellen deshalb die Pilze in eine Extra-Gruppe zwischen Pflanzen und Tiere, andere wiederum rechnen sie zu den Pflanzen.

Das, was uns im Wald als "Pilz" begegnet, ist allerdings nur ein Teil einer größeren Pflanze. Dieser für uns sichtbare Teil wird als "Fruchtkörper" bezeichnet. Seine Aufgabe ist es, Sporen zu verteilen. Der eigentliche Körper des Pilzes befindet sich in Form eines feinen, spinnwebartigen Wurzelgeflechtes das ganze Jahr über im Erdboden. Ihn können wir nur sehen, wenn wir einen Pilz vorsichtig ausgraben.

Die Sporen der Pilze werden vom Wind verteilt und legen sich als hauchdünne Schicht über den Boden. Pilze produzieren männliche und weibliche Sporen. Wenn eine männliche und eine weibliche Spore zusammentreffen, verschmelzen ihre Zellen miteinander. Aus dieser gemeinsamen Zelle wächst dann vielleicht einmal ein neuer Pilz.

Pilze wachsen nur für wenige Tage im Jahr aus dem Boden, um Sporen zu verteilen. Dabei erreicht die Sporenproduktion fast unvorstellbare Ausmaß:. Ein mittelgroßer Pilz kann in einer Stunde zwischen 25 und 45 Millionen Sporen abwerfen! Selbst ein Pilz, der nur für wenige Tage aus dem Boden herauswächst, kann in diesen Tagen mehrere Milliarden Sporen verteilen. Wissenschaftler haben bei einen ausgewachsenen Steinpilz in 10 Tagen die fast unglaubliche Zahl von 10 Milliarden Sporen ermittelt.

LSD-Rausch durch Fliegenpilze?

Ab August beginnt die Zeit, in der Pilzsammler loseilen, um essbare Pilze zu pflücken. Wer Pilze sammeln möchte, sollte das aber nur zusammen mit einem erfahrenen Pilzkenner tun. Es gibt viele giftige Pilze, die den essbaren oft sehr ähnlich sehen. Wegen der zum Teil noch immer hohen Strahlenbelastung bei Waldpilzen durch den Super-Gau in Tschernobyl, sollten selbstgesammelte Pilze jedoch nicht regelmäßig verzehrt werden.

Zu den gefährlichsten bei uns wachsenden Giftpilzen zählen der Knollenblätterpilz, der gesäumte Häubling und einige Schirmlinge. Ihr Gift kann schon in geringer Menge schnell zum Tod führen. Das Gift des orangefuchsigen und des spitzbuckligen Rauhkopfs führt hingegen zu Vergiftungen, die oft erst nach ein oder zwei Wochen bemerkt werden. Ein wiederum anderes Gift ist in einigen Rißpilzen, Gift-trichterlingen und Fliegenpilzen enthalten und wirkt auf Herz und Kreislauf. In geringer Dosis wirkt dieses Gift wie ein Rauschmittel. In Jugendkreisen kursieren unlängst Broschüren, in denen Anleitungen zum Selbermixen einer LSD-ähnlichen Rauschdroge mittels Fliegenpilzen enthalten sind. So originell das auch klingen mag, so dringend ist von einem Ausprobieren solcher Pilz-Mixturen abzuraten.
Phellodon, Korkstacheling
Schon eine geringe Überdosierung kann zu Lähmungen oder schlimmstenfalls zum Herzstillstand führen!

Bereits seit Jahrhunderten wird nach Wegen gesucht, die Giftpilze eindeutig zu bestimmen. Es gibt aber bis heute kein eindeutiges Merkmal zum Erkennen von Giftpilzen. So treten immer wieder Vergiftungen auf, weil Champignons mit den giftigen Knollenblätterpilzen verwechselt werden. Für eine exakte Pilzbestimmung hilft oft nur ein Mikroskops oder ein chemischer Test. Die meisten Pilze, die es in Geschäften zu kaufen gibt, werden natürlich nicht wild gesammelt, sondern von Pilzzüchtern angebaut.

Recyclinghelfer im Wald

Pilze übernehmen die Rolle der Abfallbeseitigung im Naturkreislauf. Sie sorgen dafür, daß alles, was in der Natur ausgedient hat, wiederverwendet werden kann. Von einigen Bakterienarten abgesehen, sind Pilze die einzigen Lebewesen, die totes Holz abbauen können. Auch der Holzwurm hat in seinem Magen Pilzkulturen, die es ihm ermöglichen, sich von Holz zu ernähren.

Wann ein Pilz aus dem Boden wächst hängt von der Jahreszeit und vom Wetter ab. Manche Arten, wie der Winter-Rübling, mögen kühles und frostiges Wetter. Viele Täublinge, Champignons und auch die giftigen Knollenblätterpilze bevorzugen warmes Sommerwetter. Die meisten Pilze schmücken aber im Herbst unsere Wälder. Vor allem, wenn es bei schwül-warmem Wetter viel Regen gegeben hat, schießen sie in Massen aus dem Boden.

In der Regel ernähren sich Pilze von abgestorbenen Pflanzenteilen wie Blättern, Tannennadeln oder Rindenstückchen, die auf dem Waldboden eine Schicht bilden. Es gibt aber auch Pilze, die an lebenden Pflanzen, vor allem an Bäumen, wachsen. Außerdem gibt es noch Pilzarten, die eine sogenannte "Symbiose" mit anderen Pflanzen eingehen. Solche Pilze wachsen direkt an den Baumwurzeln. Sie ernähren sich, indem die Nährstoffe aus den hauchdünnen Transportadern der Wurzeln ziehen. Dafür helfen sie wiederum den Bäumen, Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen, indem sie bestimmte Mineralstoffe umwandeln. Beide Pflanzen profitieren also im hohen Maße voneinander.

Sterben die Pilze aus?

Manche Pilzarten sind so selten geworden, daß sie in die "Rote Liste" der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten aufgenommen werden mußten. Pilzsammler sollten deshalb niemals alle Pilze an einer Stelle pflücken, sondern stets einige Exemplare stehenlassen, damit aus deren Sporen wieder neue Pilze nachwachsen können. Es wäre jedoch ungerecht, den Pilzsammlern und Ausflüglern die Schuld für den Pilzrückgang in die Schuhe zu schieben. Monokulturen in der Forst- und Landwirtschaft und die Zerstörung naturnaher Wiesen, Wälder und Moore sind die wahren Ursachen des Pilzsterbens.

Trotz dieser Probleme werden die meisten Pilze nicht so schnell verschwinden. Ihre Sporen können jahrelang im Boden bleiben. So kommt es, daß manche Arten nach langer Zeit wieder auftauchen, wenn sich die Umweltbedingungen gebessert haben.


Was die Namen von Pilzen bedeuten

Der blutende Korkstacheling macht seinem Namen alle Ehre: Bei einem leichten Druck scheidet er eine blutrote Flüssigkeit aus, die auf seinem weißen Fleisch in Perlenform liegenbleibt.

Pfifferlinge, heißen Pfifferlinge, weil sie roh ziemlich scharf und pfefferartig schmecken.

Die ausgewachsene Stinkmorchel ist von einer grauen Außenhaut umgeben, die beim Aufreißen eine unangenehm richende Sporenmasse freigibt.

Sehr selten ist der Strubbelkopfröhrling. Seinen Namen hat er bekommen, weil er auf dem Hut watteartige Schuppen hat, die wie eine Strubbelfrisur aussehen.

Der langstielige Knoblauchschwindling richt stark nach Knoblauch, ist aber ungenießbar. Der gemeine Stinkschwindling richt nach faulendem Kohl, ist aber keineswegs gemein.

Die Bauchwehkoralle sieht aus wie eine Koralle und ist ungenießbar. Wer den Pilz ist, bekommt starke Bauchschmerzen.

Wie ein Seestern sieht der Erdstern aus, nur ist er weiß und hat eine runde Kugel in seiner Mitte, aus der die Sporen freigesetzt werden.



Copyright: Michael Krabs
Fotos: Zoonar

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